Ordensfest 2004 In Bad Driburg-Neuenheerse, nahe Paderborn, wird das Ortsbild von der domartigen Stiftskirche mit ihrem mächtigen Turm und der barocken Haube bestimmt. Gleich daneben das Wasserschloss Heerse aus dem Jahre 1599, einst ein kaiserliches, hochadeliges, freiweltliches Damenstift mit Gräfte, Freitreppe, Torhaus und Hubertuskapelle. Diese Residenz ließ einst Äbtissin Otilia von Fürstenberg errichten. Es handelt sich um einen Zweiflügelbau mit Vierkantturm im Winkel und einem Portal im Stil der Weserrenaissance. Nach wechselvoller Geschichte ist diese großartige historische Liegenschaft als zeitgeschichtliches Zeugnis im Besitz von Generalkonsul Manfred O. Schröder und seiner Gattin Helga Schröder. Hier wurden mehr als 60 Gäste liebevoll durch den Ordensbruder Manfred O. Schröder und seine Gattin Helga aufgenommen und betreut. Diese hatten auch das aufwändige Programm des Ordensfestes 2004 gestaltet. Die per Flugzeug aus europäischen Balleien und den USA angereisten Ordensbrüder wurden von Frankfurt, Düsseldorf, Hannover und Paderborn per Shuttle nach Bad Driburg geführt, wo sie mit ihren Damen im „Hotel Schwallenhof“ Quartier nahmen. Die bereits am Donnerstag auf dem Flughafen Dortmund eingeschwebte Gruppe des Wiener Konventikels durfte sich brüderlicher Gastfreundschaft in den privaten Räumen des Generalkonsulats in der Ziethenstraße 15 in Dortmund erfreuen. Am Abend des offiziellen Anreisetages hatten OB Manfred Schröder und Gattin zu einem Champagner-Empfang mit Begrüßung in den Privaträumen des Wasserschloss Heerse gebeten, dem ein stilvolles Abendessen im gegenüberliegenden Landhaus Ikenmeyer folgte. Seit Jahrzehnten miteinander befreundete Ordenspaare fanden sich zum Austausch von Erinnerungen und Neuigkeiten aus dem Ordensleben, neue Ordensritter und Junker wurden herzlich in die Reihen aufgenommen und knüpften erste Bande in brüderlicher Gemeinschaft.
Abb.: Die weit angereisten Mitglieder in OrdenstrachtDer Morgen des Sonnabend war dem gemeinsamen Konvent in Ordenstracht und kleiner Dekoration im Seminarraum, dem ehemaligen Wagenhaus, das zu den 1606 errichteten Wirtschaftsgebäuden gehört, gewidmet. In der separaten, neu erbauten Hubertushalle bekannten sich alle Ordensbrüder zur Kontinuität des Internationalen St.-Hubertus-Ordens von 1695 sowie der Legitimität des Ordensrechts, basierend auf der Konstitution von 1950 sowie den von allen Balleien des Ordens sanktionierten Regeln von Apeldoorn aus dem Jahre 1989. Eigens zu diesem denkwürdigen Anlass hatte OB Manfred O. Schröder das große bleiverglaste Fenster mit der Darstellung der Hubertusvision, angefertigt von dem ehemaligen Großprior der Ballei Österreich, Hofrat Mag. Prof. Ernst Bauernfeind, von seinem Haus in Dortmund in das Mittelfenster der Halle überführen lassen. Abb.: Glasfenster mit Hubertusvision Nach einer bewegenden Ansprache zu Inhalt und Weisung der Ordensdevise „Deum Diligite Animalia Diligentes“ durch Pater Matthias – Missionar vom Kostbaren Blut – und gemeinsamem Gebet segnete der Geistliche die versammelten Ordensbrüder, die sich traditionell bei den Händen gefasst im Kreis aufgestellt hatten, um ihre Verbundenheit im Ordenseid zu bekräftigen. Danach führten OB Manfred O. Schröder und seine Mitarbeiter die Ordensbrüder, ihre Damen und die Gäste des Ordenstreffens in drei Gruppen durch die Stiftung „Vereinigten Museen“ des Wasserschlosses. Es handelt sich hierbei um eine der größten privaten Großsäuger-Sammlungen, eine große ethnographische Sammlung mit dem Schwerpunkt Afrika, eine vielfältige Ausstellung zu Kultur-, Heimat- und Jagdkunde sowie eine Sonderausstellung zur deutschen Kolonialgeschichte. Um 15:00 Uhr wurde Seine Gnaden Abt Raphael Bahrs OSB, Abt der Benediktinerabtei Michaelsberg in Siegburg, in den Privaträumen des Generalkonsul Schröder empfangen. Brennende Fackeln hießen ihn auf seinem Wege vom Tor bis zum Eingang des Schlosses willkommen. Bei einem Parvum in Anwesenheit von Pastor Siegfried Schink, dem Kanzler des Großen Kapitels des St.-Hubertus-Ordens, Generalkonsul Kommerzialrat Günther Hödl, und den Großprioren in Deutschland, Dr. Hanjörg Heller, und in Österreich, Dipl.-Ing. Maternus Lackner, hieß der Hausherr Abt Raphael in Neuenheerse herzlich willkommen. Um 16:30 Uhr war eine Fahnenabordnung der Schützenbruderschaft St. Sebastian und St. Fabian an der Südseite der Stiftskirche St. Saturnina unter dem Kommando von Major Günther Pastoors im Spalier angetreten und erwies Abt Raphael im Namen der Schützenbruderschaften durch zackige Meldung die Ehre und ein Willkommen. Unter Teilnahme der Kirchengemeinde und auswärtiger Gäste bildete die traditionelle Hubertusmesse im altehrwürdigen Eggedom den Höhepunkt des gesamten Ordensfestes zu Neuenheerse. Das Kirchenschiff konnte die überwältigende Anzahl der Gläubigen kaum fassen. Die Ritterschaft des Internationalen St.-Hubertus-Ordens zog im Pluviale und mit großer Dekoration unter Führung von Abt Raphael, Messdienern und den Konzelebranten Pfarrer Berthold Schneider und Pfarrer Siegfried Schink zu ihren Plätzen im Chor des Gotteshauses zu Seiten des Hochaltars.. Vor dem Altar hatte das Jagdhornbläsercorps des Hegerings Bad Driburg unter Leitung von Udo Schlüter Aufstellung genommen. Mit seinen großen Jagdhörnern in Es-Dur übernahm es mit speziellen Bläsersätzen bestimmte Gesangsteile der Messe, ein religiöses Erlebnis, durchaus vergleichbar mit der dem gleichen Zweck dienenden Kirchenmusik der Orgel. Langsam, majestätisch wie das Anläuten schwerer Glocken, erschallten die Hörner zum Introitus. Wehmütig klagend hörten sie sich beim Kyrie an. Im Gegensatz dazu erklang dann das jubelnde Gloria. Nach ruhig getragenem Credo erschallte zum Sanctus wieder der Jubelgesang des Benedictus gleich einer Siegesfanfare. Die Messe schloss mit dem langsameren Agnus Dei und dem von der Gemeinde gesungenen, von den Jagdhörnern begleiteten Choral „Großer Gott, wir loben dich.“
Abb.: Hubertusmesse in der Stiftskirche St. Saturnina In seiner Predigt stellte Abt Raphael deutlich heraus, dass die Hubertusmesse ursprünglich eine Votivmesse für Jäger und ihre Angehörigen war. Heute sei sie keine Exklusivveranstaltung für Jäger, sondern fordere auf, ein Zeichen der Besinnung zu setzen. Der Hubertusgottesdienst könne Anstoß geben, eigenes Verhalten zu überdenken und zur Erneuerung und Stärkung christlicher und damit naturverantwortlicher Grundhaltung beizutragen. Sie könne Gelegenheit geben, sich im Rahmen christlicher Religionsausübung über das Verhalten in der Natur Rechenschaft abzulegen, Fehler zu erkennen und aus der Verantwortung gegenüber der Schöpfung nach Wegen für die Lösung von Umweltproblemen zu suchen. Nach Beendigung des sakralen Teils der Messe fand im Chor des Eggedomes in traditioneller Form die Aufnahme von Mag. Philipp Enzinger - in Begleitung seines Paten OB Dr. Herbert Höbinger - als Junker in den Orden statt. Er wurde der Ballei Österreich zugeteilt und dem Konventikel Wien anvertraut. Alsdann begaben sich die Geistlichkeit, Ordensbrüder, Damen und Gäste auf den durch Fackeln beleuchteten Weg vom Eggedom zur Schlosskapelle. Bei dieser feierlichen Gelegenheit läuteten die drei Glocken des schlosseigenen Glockenturms. In würdevoller Zeremonie reponierte Abt Raphael OSB, begleitet von den beiden Pfarrern Schneider und Schink, in der Hubertuskapelle die Kopfreliquie des Heiligen Ansgar und schloss die von Jagdhornklängen begleitete Messe mit einem Gebet..
Abb.: Zeremonie in der Hubertuskapelle
Der heilige Ansgar wurde vermutlich am 8. September 801 in Picardy geboren. Er lebte zunächst als Novize und Mönch in der Benediktinerabtei Corbie. Als der entthronte König Harald von Dänemark durch die Hilfe des karolingischen Kaisers Ludwig des Frommen in sein Heimatland zurückkehren konnte, folgte ihm Ansgar 826 nach, um im Raum des heutigen Schleswig zu missionieren. Nach zwischenzeitlicher Missionstätigkeit in Schweden wurde Ansgar 831 zurückgerufen und zum Bischof der neuen Diözese von Hamburg und zum Abt der Klosterschule Corvey ernannt. Weitere Missionstätigkeiten in Skandinavien schlossen sich an. Die Wikinger plünderten 845 Hamburg, die schwedischen Missionen wurden vernichtet. Schweden und Dänen kehrten zu ihren alten Religionen zurück. Ansgar wurde vom deutschen König Ludwig zum ersten Bischof von Bremen ernannt. Er errichtete Spitäler, kaufte Gefangene frei und setzte sich für die Abschaffung des Sklavenhandels ein. 851 war seine erneute Mission in Schweden erfolgreich, und der dänische König Haarik II. wurde bekehrt. Ansgar starb am 5. Februar 865 und wurde von Papst Nikolaus I. heilig gesprochen. Zahlreiche Gäste, wie zum Beispiel Bürgermeister Burkhard Deppe, stellv. Bürgermeister Heinrich Brinkmöller, Altbürgermeister Karl-Heinz Menne, Altlandrat Dr. Karl Schneider, Vertreter des Adels von nah und fern und viele Mitglieder der Kirchengemeinde wohnten diesem Festakt bei. Sie alle waren voller Freude und Dankbarkeit über den Verlauf der Feierlichkeiten in Neuenheerse. Angesichts der guten Gemeinschaft zwischen Geistlichkeit und Ordensbrüdern lud Abt Raphael den Konvent ein zu einem Besuch der Benediktinerabtei Michaelsberg in Siegburg. Im Anschluss an die Feierlichkeiten fanden sich die Ordensbrüder mit Damen und Gästen zum Galadiner im „Hotel Schwallenhof“ zu Bad Driburg ein. Durch den Kanzler des Großen Kapitels des Ordens, Generalkonsul Kommerzialrat Günther S. Hödl, wurde OB Generalkonsul Manfred O. Schröder für seine langjährigen Verdienste um die Förderung des Internationalen St.-Hubertus-Ordens mit dem Orden „Pro Meritis“, der höchsten Auszeichnung, die die Gemeinschaft zu vergeben hat, geehrt. |