Ordensfest 2005

Ordensfest

310 Jahre Internationaler St.-Hubertus-Orden

vom 10. bis 13. November in Wien

Im Rahmen des Ordensfestes in Wien konnte der Kanzler des ISHO, Hon. Generalkonsul Siegfried G. Hödl, eine Einladung der Präsidentin des Nationalrates, Frau Mag. Barbara Prammer, für dessen Teilnehmer erwirken. Mit großem Interesse konnten Ordensbrüder und deren Begleitung das nach dem Umbau neu eröffnete Parlament des großen Architekten Theophil Hansen an der Wiener Ringstrasse besichtigen.Empfang durch Frau Präsidentin Prammer

Abb.: Herzlicher Empfang durch Frau Präsidentin Prammer

Frau Präsidentin Prammer, der Jagd verbunden und über jagdliches Geschehen beeindruckend informiert - sie war zuvor zuständige Landesrätin für Naturschutz in Oberösterreich - begrüßte die Ordensgesellschaft im Parlament. Mit großem Engagement erläuterte sie, speziell für die deutschen Ordensbrüder, das Verfassungssystem der Republik Österreich und gewährte einen Blick hinter die Kulissen parlamentarischer Arbeit. In entspannter Atmosphäre, kulinarisch bestens versorgt, erlangten die Gäste Einblicke und Einsichten in die hohe Politik und die kleinen Hoppalas im österreichische Nationalrat.

Die parlamentarische Mitarbeiterin von Frau Präsidentin Prammer übernahm die Führung durch das Hohe Haus, deren Glanzlichter der Besuch im Plenarsaal und im Reichsratssaal waren. Letzterer hatte zu Zeiten der Monarchie Abgeordnete aus allen Teilen der Donaumonarchie beherbergt. Abschließend diente die imposante Säulenhalle des Parlaments als würdiger Rahmen für den musikalischen Gruß, den das Gesangsensemble „Vocapella“ aus Ferlach im Namen des ISHO Frau Präsidentin Prammer darbot.Ensemble Vocapella

Abb.: Das Gesangsensemble “Vocapella”, Ferlach, lieferte den musikalischen Rahmen

Mit dem von Großmeister Dr. Emmanuel Longin, Kanzler Siegfried G. Hödl und Großprior Dr. Hansjörg Heller überbrachten Dank für die ehrenvolle Einladung endete ein hoch informativer Nachmittag im Hohen Haus der Republik Österreich.

 

Die Republik Österreich im Schnittpunkt Europas

Im Schnittpunkt Europas und damit im Spannungsfeld zwischen begegnenden Völkern und Kulturen haben sich Land und Volk der heutigen Republik Österreich kristallisiert.

Die Einstellung zum Leben und zu seinem Genuss findet auch ihren Ausdruck in der Koch- und Esskultur eines Volkes. Bis zum Ersten Weltkrieg umfasste die österreichisch-ungarische Monarchie auf fast 700 000 Quadratkilometern rund 52 Millionen Menschen mit 16 verschiedenen Sprachen und noch mehr „nationalen“ Küchen. Dabei ist allerdings ein Phänomen zu beobachten: dass nämlich die „Wiener Küche“ – ihr Begriff entstand erst um 1800 – die einzige Küche ist, die von jeher den Namen der Metropole trägt, aber für das ganze Land gilt. Sie hat stets Fremdes und Nachbarliches in den Kochkessel der Vielvölkergemeinschaft aufgenommen und daraus Neues geschaffen. Das war und ist das Spezifische der österreichischen Kochkunst.

Aus dieser reichen Vielfalt abwechslungsreicher Rezepte schöpfend, führte die Belegschaft des Privathotels Stefanie mit ihrem Galadiner die Mitglieder und Gäste des ISHO auf eine Alt-Wiener Schmankerl Reise durch die Wiener und österreichische Küche zur Zeit der k. u. k. Monarchie.

 

„Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein...“

So besingt das alte Wienerlied die Donaumetropole, deren Name heute Träume imperialer Pracht erweckt, von Walzerklängen, Kaffeehauskultur und Jugendstil, von Eleganz, Charme und Nostalgie. Auch die Stadtrundfahrt der Ordensgesellschaft begann mit dem prunkvollsten Zeugnis von Wien: der Hofburg. Über mehr als sechs Jahrhunderte lenkten die Habsburger von hier aus die Geschicke der Donaumonarchie und betätigten sich seit der Frühgotik, vor allem jedoch in der Barock- und Gründerzeit, als engagierte Bauherren, Sammler und Mäzene. So schuf die Wiener Dombauhütte mit St. Stephan den bedeutendsten gotischen Sakralbau Österreichs, entstanden die barocke Hofkultur, Schloss Schönbrunn und die Belvederepaläste des Türkenbezwingers Prinz Eugen, ließ Kaiser Franz Joseph die monumentale Ringstraße anlegen mit Staatsoper, illustren Museen und dem Burgtheater. Selbst die Lorbeerkuppel der Secession funkelt wie eine Kaiserkrone für den Epoche machenden Wiener Jugendstil, mit dem sich die Moderne ankündigt. Hauptattraktionen des zeitgenössischen Wien sind fraglos die farbenfrohen Experimente des Architekturrebellen Friedensreich Hundertwasser.

Rundfahrt und Erkundungsgänge schlossen ab mit einem Besuch der Uno-City. Auf dem Gelände des Donauparks erhebt sich der Donauturm, mit 252m Wiens höchstes Bauwerk. Das Drehrestaurant in 170 m Höhe machte das gemeinsame Mahl bei idealen Wetter- und Sichtverhältnissen zu einem besonderen Erlebnis.

 

Die Klosterkirche der Barmherzigen Brüder

Das Fest zum 310. Jahrestag des Internationalen St.-Hubertus-Ordens hatte seinen Höhepunkt mit der Messe in der Klosterkirche der Barmherzigen Brüder.

Diese Ordensgemeinschaft verehrt als seinen Stifter den hl. Johannes von Gott, der unter bürgerlichem Namen Juan Ciudad am 08. März 1495 unweit von Evora in Portugal geboren wurde. Papst Leo XIII. erklärte ihn zum Universalpatron aller Kranken und Spitäler. Durch Papst Pius XI. wurde er zum Patron der Krankenpfleger des ganzen Erdkreises.
Gruppenbild im Altarraum

Abb.:Gruppenbild im prächtigen Altarraum der Klosterkirche

Die Wiener Taborstraße erhält ihren Akzent vom Brüderkloster, dessen dreifach gegliederter Turm, einem der schönsten Barocktürme Wiens, den schlicht gestalteten Gebäudekomplex überragt. Der barocke Kirchenbau strahlt eine beruhigende Aura aus. Die Seitenkapellen entlang des Kirchenschiffes rhytmisieren das zierlich gestaltete Innere, das im prächtigen Hochaltar seinen Abschluss findet. Der Heiligenhimmel des Ordens der Barmherzigen Brüder findet seine Darstellung vor allem in der Kapelle des hl. Johannes von Gott, des Ordensgründers. Auch das älteste Stück der Kirche, die Muttergottes mit Kind, aus einem Bürgerhaus stammend, steht dort.

Damit vereinigen sich hier die Welt des Ordens und der Wiener Bürger auf eine symbolische Weise – die Bewohner der Stadt unterstützen nämlich im Laufe der Geschichte auf vielfältige Weise das Wirken des Brüderordens im Dienste des Herrn für die Menschen.

Ein herzliches „Vergelt`s Gott“ sagt der Internationale St.-Hubertus-Orden dem Konvent der Barmherzigen Brüder für die nachhaltig beeindruckende Ordensmesse zur Feier ihres Jahrestages.

 

Die Ordensmesse in der Klosterkirche zum Hl. Johannes d. Täufer

Sie leitete die feierliche Aufnahme von Junkern und Rittern in den Internationalen St.-Hubertus-Orden ein.

In seiner Ansprache erinnerte der Großmeister des Ordens, Emmanuel Remo Longin, an den heiligen Benedikt von Nursia, in der Mitte des 6. Jahrhunderts Abt des Klosters Monte Cassino.Aufnahme eines Ordensmitgliedes

Abb.: Feierliche Aufnahme eines Ordensmitgliedes

Dessen Regeln für das mönchische Leben, das Leben gemäß dem Evangelium, werden nicht nur „Maß-gebend“ für das abendländische Mönchtum, sondern auch für die sich seit dem 14. Jahrhundert bildenden Ritterorden. So in gewisser Weise auch für den im Jahre 1695 errichteten „Hubertus-Orden“ des Reichsgrafen Franz Anton von Sporck. Dem Vordenker bei der Auseinandersetzung mit sozialen Missständen des ausgehenden Barock ging es um die Stiftung eines brüderlichen Zusammenschlusses, der sich den Fragen der Zeit und der Suche nach Antwort nicht verweigerte.

Die ethischen Forderungen der Bergpredigt

Am Beispiel der Bergpredigt zeigte der Großmeister ein geschlossenes (christlich-)ethisches System auf. Sie ist Teil christlich-abendländischen Tradition und materialiter eingegangen in die indessen säkularisierten Werte Nächstenliebe, Feindesliebe, Schöpfungsliebe, Gewaltlosigkeit, Barmherzigkeit, Sanftmut und Gerechtigkeit.

Sie ist keine christliche Morallehre, sondern stellt Wegweiser zu einem Leben in der Herrschaft Gottes auf, die Jesus verkündigt hat und die schon in dieser Zeit beginnen möchte. Die Bergpredigt stellt also den Weg der Nachfolge beispielhaft vor Augen.

Aus der Fülle der ethischen Forderungen, die in der Bergpredigt genannt werden, sollten drei zentrale Schwerpunkte genannt werden: das Stiften von Frieden ohne Gewalt, das Armsein und die Goldene Regel. Diese Schwerpunkte scheinen – angesichts kollektiver Friedlosigkeit, übermäßigem Konsum und einem Selbstbehauptungs- und Ellenbogenverhalten in unserer Gesellschaft, das der Goldenen Regel widerspricht, besonders aktuell zu sein.

Die Goldene Regel nach Matthäus 7,12 : „Alles nun, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen“. Darin wird jeder aufgefordert, zunächst seine eigene Bedürftigkeit zu reflektieren, diese dann mit derjenigen des anderen zu vergleichen und schließlich ihm zuteil werden zu lassen, was man sich selbst wünscht, unabhängig davon, ob die eigene Bedürftigkeit befriedigt wird oder nicht.

Die in der Bergpredigt empfohlenen Verhaltensweisen kennzeichnen eine Lebenseinstellung, die Menschen realistischerweise aus eigenen Kräften nicht anstreben, sondern sich nur täglich schenken lassen können. Es geht ja um nichts weniger als – in den Worten des Matthäus (5,48) – um eine „Vollkommenheit“, die dem „Vater im Himmel“ eigen ist und die sich im menschlichen Leben als uneingeschränktes Vertrauen, bedingungslose Liebe, uneigennützige Hingabe manifestiert. So kann nur leben, wer sich in der Liebe Gottes gehalten weiß, wer Gott seinen Vater sein lässt, um selbst Kind sein zu können.

Die Bergpredigt soll die Leser zu einem Verhalten ermutigen, das anderen Menschen die Geschenke und die Eigentümlichkeit christlichen Glaubens und christlicher Hoffnung zugänglich macht, noch mehr: das zum Lob Gottes verlockt.

Es sind die im Geist Armen (d. h. die alles von Gott erwarten und nichts von sich selbst erwarten können), die Trauernden, die demütigen, die nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen, die mit reinem Herzen, die Friedensstifter und die Verfolgten, die seine Gemeinde im wesentlichen ausmachen. Das uneingeschränkte Vertrauen zur Fürsorge des „Vaters im Himmel“ ermöglicht das Tun des Willens Gottes. Das heißt zum Beispiel bedingungslose Zuwendung zum anderen Menschen.

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